
Modellprojekt Mobile Geriatrie Unit
Ein Spezialfahrzeug mit Hightech-Diagnostik an Bord soll Bewohnern von Pflegeheimen im Saarland lange Wege zu medizinischen Untersuchungen ersparen. Derzeit präsentiert sich das Modellprojekt aus dem Saarland auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin.
Ab September 2026 soll es für Pflegeheimbewohner im Saarland einfacher werden, sich Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomographie oder Röntgen zu unterziehen. Sie müssen keine strapaziösen Wege mehr auf sich nehmen. Die Praxis, in diesem Fall ein Lkw, der mit allem ausgerüstet ist, was einer Notaufnahme entspricht, kommt zu ihnen. Das entlastet nicht nur die Patienten, sondern auch Pflegeteams und Notaufnahmen. Der etwas andere „Hausbesuch“ soll außerdem Klinikeinweisungen zu Diagnosezwecken reduzieren und damit letztendlich auch den finanziellen Aufwand von Kranken- und Pflegekassen senken. Möglich wird dies durch das Projekt „Diagnostik-Konsil im Pflegeheim mittels Geriatrie-Unit – DIKOM“, in dem die Universität und das Universitätsklinikum des Saarlandes mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten. Der Gemeinsame Bundesausschuss fördert das Projekt mit über 8 Mio. Euro.
Klinische Notaufnahme auf Rädern
In den Truck wurde die Ausrüstung einer klinischen Notaufnahme eingebaut: Computertomograph, Sonografie-, Röntgen- und Ultraschallgeräte, EEG, EKG und eine Laborausstattung. Das Konzept entwickelte der Initiator des Projekts, Professor Klaus Faßbender, langjähriger Direktor der Neurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, gemeinsam mit Medizintechnik-Unternehmen aus dem Saarland und deutschlandweit. Zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner setzten es um – ein Homburger Spezial-Autobauer baute den Truck.
Datensicherheit und Energieversorgung
Die schnelle und sichere Übermittlung der anfallenden Befunde erfolgt per verschlüsseltem Datenübertragungssystem. Für die sichere Vernetzung der beteiligten Fachärzte wurden medizinische Softwarelösungen angepasst und Schnittstellen sowie Kommunikationswege neu entwickelt. Ebenso wie ein leistungsfähiges Batteriesystem, das die Energieversorgung aller Geräte sowie eine stabile digitale Vernetzung und telemedizinische Kommunikation ermöglicht. Die Batterien werden über Nacht geladen und liefern anschließend die Energie für alle Anwendungen, die zum größten Teil parallel laufen.
Im Fahrzeug sind Fachärzte mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammen mit Radiologie-Fachkräften und Notfallsanitätern im Einsatz. Modernste Technologien wie eine smarte Datenbrille assistieren digital und ermöglichen die Kommunikation mit zugeschalteten Fachärzten aus kooperierenden Kliniken oder Praxen.
Neuartige Versorgungsform
Professor Faßbender sieht in dem Modellprojekt eine große Chance, Versorgungslücken zu schließen: „Diese Kombination aus mobiler Diagnose und telemedizinischer Expertise, vertraglich verbunden mit niedergelassenen Ärzten und stationären Pflegereinrichtungen, begründet eine neuartige Versorgungsform, die eine große Lücke in der geriatrischen Versorgung schließt.“
Bevor die aktive Phase des europaweit einmaligen medizinischen und pflegerischen Versorgungsmodells im September im Saarland startet, und der Diagnostik-LKW für rund 4.000 Heimbewohner in rund 50 Pflegeheimen in Aktion tritt, stellen sich das Projekt und alle seine Beteiligten auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vor, der in diesen Tagen stattfindet.
Breite Unterstützung für das Projekt
Das Versorgungsmodell, das sich ab September 2026 in der Praxis bewähren muss, ist europaweit einmalig. Es könnte tatsächlich eine Lücke schließen bei der Patientenversorgung – nicht nur, wenn es um Menschen geht, denen es aufgrund ihres Alters und ihrer Erkrankung schwerfällt, einen Arzt aufzusuchen, sondern auch bei der Versorgung von Patienten in Gegenden, in denen ein ausreichendes medizinisches Angebot fehlt.
Neben der Förderung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss wird das Modellprojekt „Diagnostik-Konsil im Pflegeheim mittels Geriatrie-Unit – DIKOM“ unterstützt durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, das Caritasklinikum Lebach sowie verschiedene Institute des Universitätsklinikums des Saarlandes. Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet.

Vetter Pharma International GmbH:
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Oliver Dietze